SchandmaulKöln, Live Music Hall 14.01.02>> Mehr Material zur Band
Wieder einmal hat sich euer fliegender Reporter auf den Weg gemacht um euch mit einem weiteren Interview zu erfreuen. Mein Weg führte mich heute nach Köln in die Live Music Hall, wo ich die Band SCHANDMAUL traff. Mir nicht unbekannt und doch noch nicht sehr weit verbreitet sind die sechs Musiker aus dem tiefen Bayern zu uns gekommen um ihre musikalischen Künste dazugeben. Mein Weg führte mich in die hinteren Räume der Live Music Hall, wo Anna und Thomas mit mir über Schandmaul, die Tour, das neue Album und vieles mehr sprachen. Seit gespannt, es kommt einiges auf uns zu.


Heut ist ja nicht soviel los, erinnert mich irgendwie an die Cobra in Solingen, wie sah das den bisher auf euren Konzerten aus? Waren die mehr besucht?

Thomas: Bei den letzten Fünf, hatten wir immer so um die 300 Leute da, ist heute abend aber auch ein Mistwetter.

Anna: Dabei waren das Gegenden, wo wir noch nie vorher waren. Das war echt überraschend.

Thomas: na ja, schauen wir mal, es gibt für alle sein erstes mal.

Anna: Bei uns in der Gegend war es immer voller, aber da sind wir auch um einiges Bekannter als hier oben.

Thomas: Die Termine bisher waren auch der Wahnsinn, da hätten wir nicht mit gerechnet. Das waren Gegenden wo wir noch nie früher waren und die Resonanz war phantastisch.


Also, fangen wir am Anfang an. Wie habt ihr euch als Schandmaul zusammengefunden.. Mal ganz grob erzählt.

Anna: Ich hatte damals Klavierunterricht bei der Mutter vom Ducky. Der spielt mit Thomas allerdings noch in einer anderen Band die Weto heißt. Da die damals eine Geige brauchten hab ich bei denen das erste mal mitgespielt und habe so den Thomas und den Ducky kannengelernt. Unser Bassist, der Hubsi, hat die damals gemischt und so haben wir uns dann kennen gelernt.

Thomas: Stefan hat dann Weto mal gebucht, der hat in noch einer anderen Band gespielt, einer Funk Band. Die haben bei uns um die Dörfer ein OpenAir veranstaltet und haben uns dafür eingekauft, so haben wir uns dann kennen gelernt. Birgit war damals mit Hubsi befreundet. So kam es dann, das Anna eines Tages beim Hubsi in der Küche gestand und nicht immer nur diese klassische Scheiße spielen wollte... so kam es dann das die Beiden angefangen haben Folksongs zu Covern. Das hat dann solchen Spaß gemacht, dass die beiden sich noch andere Leute gesucht haben und dann haben wir alle das als großes Projekt gesehen und haben uns gesagt "machen wir doch einfach mal ein Konzert aus Bock". Wir haben dann ein paar Songs geschrieben, aber noch sehr viel gecovert. Zum ersten Konzert hatten wir dann sechs eigene Nummern, der Rest waren irgendwelche folkige Cover.
Der Club in dem wir gespielt haben, die "Hexe", was voll und es ist super angekommen. Es war ein solch super Stimmung, das wir gleich gefragt worden sind wann die CD kommt. Da sind wir dann direkt ins Studio und haben die letzten Songs maschinengewehrartig geschrieben und unsere erste CD aufgenommen. Die ist dann auch dermaßen angelaufen, dass das dann kein Projekt mehr war, sondern Band.


Ihr kommt alle aus verschiedenen Richtungen. Was kommt den bei Schandmaul alles zusammen?

Thomas: Anna ist aus der Klassik, Stefan ist Funky, Birgit war schon immer mittelalterlich und folki angehaucht, Hubsi ist auch Folki und ich bin ursprünglich deutsch Rocker. Das ist dann die Mischung, der Brühwürfel. Wir haben nicht überlegt, was können wir jetzt machen, sondern jeder spielt genau das was er will. Das haben wir dann in einen topf geschmissen und kräftig umgerührt, dann kam Schandmaul raus.

Euer erstes Album habt ihr bei Hubsi aufgenommen und hattet somit die Zeit die ihr brauchtet um das Album aufzunehmen. Ist euch das sehr zugute gekommen oder hättet ihr auch wie manch andere Bands, mit der Plattenfirma im Nacken, in 10 Tagen das Album einspielen können?

Anna: Das war schon schön. Ich zum Beispiel war noch nie in einem Studio gearbeitet und das war was ganz neues für mich, so dass ich die Zeit gebraucht habe... man was hätten wir an mir Geld verloren, dass wäre nicht zu bezahlen gewesen. Das war super gut.

Thomas: Unser zweites Album haben wir ja auch beim Hubsi aufgenommen und beim dritten, das im Herbst kommt, wird das nicht anders sein. Allerdings wollen wir auch ein paar Sachen auslagern und mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Stress wird es bei uns nicht geben, da wir das Songschreiben schon alles fertig haben. Andere Bands fangen dann erst im Studio damit an oder mit dem Texten schreiben, dann ist das kein Wunder, dass da teilweiße Mist bei rumkommt. Wir haben jetzt schon sieben Songs fertig von denen wir heute vier neue spielen werden.


Wie sah das denn mit dem zweiten Album aus? Hattet ihr da auch soviel Zeit mit eurer Musik?

Thomas: Hatten wir. Als das "Wahre Helden" Album fertig war, hatten wir schon wieder drei Songs für "Von Spitzbuben und anderen Halunken" fertig. Wir arbeiten stetig an neuem Material, das ist überhaupt kein Problem, wir haben ja nicht den Druck, dass wir neue Songs machen müssen. Wir haben ne Korkpinnwand bei uns im Proberaum, da hat dann alle zwei, drei Wochen wieder jemand seinen Text mit Akkorden hängen und dann wird das so nacheinander aufgearbeitet.

Dann wird das dann auch alles angespielt und ausprobiert und von jedem ist dann was dabei?

Thomas: Na ja, die Texte schreiben Birgit und Ich im Konzept mit den Schrammelakkorden, wobei auch noch der Ducky hilft, also steht das Grundkonzept. Dann spuckt jeder halt in den Topf.

Wie sieht es denn mit dem weiteren Verlauf der Tour aus? Habt ihr positive Erwartungen, oder glaubt ihr, dass es eher etwas verhaltener wird?

Thomas: Ne ich Glaub eher nicht, wenn man so an die Erfahrung knüpft. Unser Tontechniker ist viel auf Tour, mit ganz verschiedenen Bands und sagt, das hier im Westen eigentlich der Papst viel mehr boxt.

Anna: Obwohl es da eher auf unsere Musikrichtung ankommt. Ich glaube, dass das Mittelalter eher im Osten gefragt ist. Schauen wir mal, Erwartungen finde ich hat man gar nicht. Jedes Konzert ist anders und man freut sich natürlich wenn viele Leute kommen, aber es ist teilweise auch schön, wenn nur ein paar Leute da sind, die aber gute Stimmung verbreiten. Wir stehen nicht in der Erwartung, das zich tausend Leute kommen.

Thomas: Das hatten wir zum Beispiel vorgestern in Freiberg, bei Dresden. Wir hatten vier mal am Stück immer so um die 300 Leute da, da waren es nur Hundert. Aber die hundert haben einen Krach gemacht, da war ja so ne Party, das war wirklich unglaublich, das hat so einen Spaß gemacht. Das ist dann auch viel wichtiger, dass das Publikum gut drauf ist. Das müssen gar nicht viel sein, aber dann hast du da oben für dich auch deinen riesen Spaß.


Wie ist das denn mit den Leuten die kommen. Sind die mehr aus der Szene oder sind das Menschen aller Richtungen?

Thomas: Also ich glaub ganz ehrlich, dass das viel mehr mit ob Stadt oder Land zu tun hat. Wenn du auf dem Land bist kommen viel mehr Leute, weil da gibt es nichts anderes, die sind aber viel verhaltener. In der Stadt kommen ein bissl weniger, da noch viel Konkurrenzprogramm da ist, aber die sind viel mehr auf Party und wollen feiern. Einen weiteren Unterschied macht der Landstrich. Da muss man auch ein bissl unterscheiden.

Anna: Ich denke auch nicht, dass man das so einteilen kann, ob die aus der Rolle der Mittelalterfreaks kommen. Ich habe das Gefühl, dass da ganz verschiedene Leute drauf anspringen. Das liegt bestimmt auch an den verschieden Stilen die wir verarbeiten, so das für jeden was dabei ist.

Thomas: Lustig ist schon immer die Unterschiede zu sehen der Menschen die wir auf einem Konzert haben. Da kommt die Fledermaus, schwarz, weißes Gesicht, da kommt der Metaller mit den Lederhosen, lange Haare und dann hörst du ihn dann schon mal ein wenig schimpfen wenn ein Liebeslied kommt, die mag er dann nicht so, aber wenn es dann mit Dudelsack und Bums ist, dann siehst du ihn auf einmal moschen. Dann hast du den 50-jährigen mit seiner Frau in Hemd und Krawatte und plötzlich ist die Krawatte auf und dann ist er da vorne am rocken. Das ist ganz sonderbar. Besonders gut siehst du das auf Stadtfesten, wo die nicht kommen wegen dir sondern wegen dem Stadtfest. Plötzlich siehst du sie dann stehen bleiben und schauen: "huch, was ist das denn?"


Der neue CDmix von "Von Spitzbuben und anderen Halunken" ist ja jetzt raus, wie ist es dazu gekommen?

Thomas: Dazu gekommen ist es dadurch, dass wie den Deal mit der Plattenfirma bekommen haben. Die haben gesagt, wir pressen die ja jetzt und bringen die in den Vertrieb, da müssen wir noch mal drüber. Wir haben auch gesagt, dass uns die Zweite nicht so gut gefallen hat wie die erste vom Mix, da uns gegen Ende die Zeit ausgegangen ist weil wir zuviel getrödelt hatten. Was uns auch gefehlt hat ist das Mastern. Weder die erste noch die zweite ist gemastert. Da wir das alleine gemacht haben und da noch mal andere Leute für zuständig sind. Die neue "Von Spitzbuben und anderen Halunken" ist jetzt gemastert. Wir haben ein paar Sachen neu gemischt die uns nicht so sehr gefallen haben und am Ende kam dann noch die Politur durchs Mastern drauf. Dadurch klingt dann die ganze Scheibe offener und klarer.

Wie seht kommt es zur Verbreitung eurer Musik? Spielen die Medien eine große Rolle?

Thomas: Überhaupt nicht. Das Problem ist, das unsere Musik von Mainstreamradiosendern gar nicht gespielt wird. die Verbreitung übers Internet ist auch nicht so gut. Die eigene Bandseite ist nicht schlecht und hat auch seine vorteile, aber zu Zeiten wie Napster und was es da alles noch gibt ist das Gefährlich. Was nützt es dir wenn du bekannt bist, aber nix erkauft hast? Fernsehen ist auch so eine Sache. Wir kommen jetzt in Taubertalfestival was auf Bayern 3 ausgestrahlt wird, aber sonst...

In wie weit könnt ihr von eurer Musik leben? Ist die Musik eine Zukunft die ihr anstrebt oder nur ein Hobby?

Thomas: Wir sind alle Hauptberufstätig und die Musik ist ein Hobby. Um das professionell machen zu können müssten wir 120 oder mehr Konzerte im Jahr geben, damit der Kühlschrank voll ist. Wir wollen uns aber nicht so prostituieren, denn irgendwann übersättigt man das Publikum und es geht steil bergab mit deiner Musik.
Ich habe Gott sei dank einen kulanten Chef, das ist der Hubsi. Der hat einen Holzhandel und ich bin da Kaufmännischer Angestellter mit 44 Stunden in der Woche. Im Moment habe ich bezahlten Urlaub, dass ist ganz angenehm. Anna studiert Geige, die muss schwänzen, dass geht mal gut, mal nicht. Birgit ist auch Angestellte...Landwirtschaftsarchitektin. Aber es ist schon alles schwer. Man muss viel schieben und du brauchst kolante Chefs.


Das neue Album kommt im Herbst sagst du, was kommt auf uns zu? Wieviel ist davon schon fertig, du sagtest was von sieben Songs!

Thomas: Das Album ist eigentlich schon Komplett fertig. Wir haben schon sieben fertig arrangiert, die restliche sechs oder sieben, mal schauen wie viel wir da drauf kriegen, hängen schon am Reisbrett. Das wird ne feine Scheibe. "Der Narrenkönig"

Ihr wolltet doch ein Live Album rausbringen? Wie sieht es damit aus?

Thomas: Bevor wir die Plattenfirma kennen gelernt hatten war das so in der Planung. Das war aber ein Punkt wo die gesagt haben, damit sollten wir besser noch ein zwei weitere Alben warten. Das ist noch zu früh. Ein Live Album ist ja sozusagen ein Aussetzer. Du bringst vielleicht ein paar Bonustracks, aber ansonsten liegt die Band für zwei Jahre auf Eis. Wir hatten schon acht Konzerte aufgenommen für die Cd und jetzt ist das erst mal auf Eis. Auch nicht schlecht. Wir werden mit jedem Jahr live besser und die Technik auch, so dass wir den Fans dann was tolles Präsentieren können.

Das Songbook. Ihr habt mehrmals verlauten lassen, dass ihr sowas machen wolltet. Wie ist der Stand der Dinge da?

Anna: Einen genauen Zeitpunkt gibt es dafür noch nicht. Wie schaut es aus? Die Lieder werden mit Texten, Akkorden und den Melodien unserer Instrument, so weit wie es geht, angegeben. Da kommt dann alles rein. Menge Photos, dass soll einfach ne schöne Sache werden, aber jetzt erst mal die Tour, dann das Album... dann schauen wir mal.

Es gibt viele Bands die mit der Tatsache Probleme haben ihre Texte so zu veröffentlichen. Seht ihr das nicht so?

Anna: Überhaupt nicht. Was ich gehört habe werden die teilweise schon an Lagerfeuerabenden gespielt, selbst ohne Songbook. Ich werde auch immer wieder gefragt, von so kleinen Schülerbands, ob die ein Lied Covern dürfen. Das ist nicht das Problem. Wir empfinden das als eine große Ehre. So zum Beispiel auch mit dem Song "Willst Du?" da werden wir immer wieder gefragt ob den Leute auf ihrer Hochzeit spielen dürfen. Wir haben es sogar schon gehabt, das ein Fan auf die Bühne gekommen ist weil er seiner Freundin bei dem Song einen Heiratsantrag machen wollte. Das ist wunderschön.

Bei eurer Musik sind die Texte ein wichtiger Bestandteil der Musik, die auch nicht immer von Freude und Glück handeln. Wie seht ihr eure Texte selber an?

Thomas: Da wir Deutsch singen kannst du dir nicht das sinnlose Gebabbel antun, was man zum Beispiel im Englischen hat, wo man eh die hälfte nicht verstehst und die andere verschluckt. Wenn ich Gehschichten erzähle, die Texte die ich schreibe sind Geschichten, die kommen von irgendwo her. Wenn ich ein Buch gelesen habe oder eine Gedicht gehört habe kommt meist die Idee zu einem Text auf. Die sollen dann auch Hand und Fuß haben. Ich möchte nicht, dass man da dann einfach nur sagt, schön. Da kommen dann lustige Sachen bei raus, fröhlich, aber natürlich auch nachdenklich oder mystische Texte bei raus. Nur wir versuchen das Gesamtkonzept was wir haben nicht ins dunkle oder mystische ziehen, sondern im Gesamten versuchen wir Party zu machen. Wenn dann ab und an mal ein Song dabei ist, bei dem einen die Gänsehaut über den Rücken läuft, ist das super schön. Wenn man ein Liebeslied schreibt und die Leute nehmen sich dann an der Hand und du kriegst das von oben mit, dann weißt du: Treffer! Das ist schön, aber auch wenn wir nur larifari Geschichten erzahlen, dass soll nur nicht blöd sein!

Wäre es ein Abenteuer für euch als Barde oder fahrender Spielmann im Mittelalter zu leben?

Thomas: Ich denke das war ein hartes Brot. Man verschönert sich das immer durch Fantasybücher, Filme und andere Literatur, aber in Wahrheit ist das ein Leben gewesen, das sehr hart war. Die Barden zu der Zeit haben bestimmt oft gehungert.

Dann bedanke ich mich herzlichst bei euch und freue mich auf ein gutes Konzert.

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