Gamma RayOberhausen, Turbinenhallte 19.10.2005>> Mehr Material zur Band
Nachdem Gamma Ray – Mastermind Kai Hansen, verbunden mit einigen Schwierigkeiten (wie waren doch gleich das Passwort und der Benutzername?), noch schnell eine neue Klampfe bei Ebay ersteigert hatte, wandte er sich etwas verschnupft, sowie mit einem heißen Tee meiner Person zu und stand mir Rede und Antwort:

Hallo!

Hallo!

Ihr habt den Soundcheck ja gerade hinter euch gebracht, seid ihr mit dem Bühnensound soweit zufrieden?

Also ich bin eigentlich ganz happy auf der Bühne, ich mag das eigentlich ganz gerne, wenn die Hallen so ein wenig hallig sind (Im Gegensatz zu den Open Air – Bühnen, denn die klingen zu openairig... – ShamRock) und nicht so furztrocken. Gerade zum singen ist es angenehmer. Das ist dann zwar undifferenzierter vom Sound her, aber zum Singen ist es übel, wenn die Halle so total gedämmt und trocken ist. Da hat man so das Gefühl, man singt im Sandsack. Das ist irgendwie blöd.

Wie war es denn bisher auf der Tour, waren die Gigs und der Sound gut, bist du zufrieden oder gab es Ausfälle?

Die Gigs waren alle gut bisher, es gab ein paar Shows, wo wir das Gefühl hatten, das und das war scheiße und irgendwer hat sich mal verzockt und vom Sound her hatten wir auch welche, wo du das Gefühl hast, dass es nicht schön klingt, aber das hast du immer. Jede Bühne, jede Halle klingt anders, das ist völlig normal, da muss man leider mit leben. Es gibt ein paar Hallen, da weiß man das schon, so dass man denkt: nicht schon wieder da, bäh, das klingt immer so kacke! Aber da muss man durch, es nützt ja alles nichts.

Zwar konzentriert ihr euch bestimmt erst einmal auf den heutigen Abend, aber ihr schielt trotzdem ganz sicher auch schon auf den morgigen Gig in Hamburg, der ja eine Art Heimspiel für euch ist?

Ja, ich versuche da halt nicht dran zu denken, ich bin da dann auch immer extra nervös. Man ist aufgeregt, denn es kommen ja auch tausend Leute, die man kennt, und im Backstage Bereich ist auch immer die Hölle los, weil alle kommen und ‚hallo‘ sagen wollen. Eigentlich will man am liebsten gar keinen sehen und sich in ein Erdloch setzen bis alles vorbei ist, aber auch da muss man durch (lacht).

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Bands, passt das alles zusammen?

Passt prima, wunderbar! Kein Stress.

Euer neues Album "Majestic" ist nun schon eine Weile draußen, wie waren denn die Reaktionen der Presse und vor allem der Freunde?

Ja, äh ... von Freunden!? Die fragen wir eigentlich gar nicht groß, denn das ist auch was anderes, die haben da auch einen anderen Draht zu. Bisher ganz gut. Ja und von Fans eigentlich richtig gut. Wenn ich so bei uns ins Forum gucke, herrscht echt allgemeine Begeisterung.

Aber sind denn Freunde nicht gerade diejenigen, die sagen würden, wenn was nicht gut ist?

Das ist bei uns immer so eine Sache, die im Vorfeld passiert. Während der Produktion kommen die einen besuchen und man spielt denen dann mal was vor und fragt: was meinst du, wie findest du das usw. Oder man gibt mal jemandem ein Tape mit, so dass man ein bisschen Feedback bekommt. Es gibt ja auch einen Haufen Freunde, die keine Metal Fans sind und die sagen dann natürlich: ja, gut, ne. Man macht das halt eher mit den Freunden, wo man weiß, die mögen Metal. Von denen holt man sich dann eher Feedback.

Also legst du schon mehr Wert auf die Meinung der Leute, die Metal hören? (Tolle Frage, Bruderherz, soll er mehr Wert auf die Meinung von Hip Hop – Fans legen...? – ShamRock)

Ja, 100%tig. Logisch, denn was soll ich das irgendeiner Tante vorspielen, die damit nichts anfangen kann?! Die sagt dann vielleicht: ach, tolle Ballade. Damit kann sie vielleicht noch etwas anfangen, sowas wie "The silence", ‚ach, das ist doch wunderschön‘, so in der Richtung, bei dem Eingemachten denkt sie auch so: ‚joa, hm‘...

Zwischen "No World Order" und "Majestic" liegen vier Jahre, habt ihr zwischenzeitlich so eine Art Ungeduld von Seiten eurer Fans gespürt?

Kann man so sagen. Das ging bei uns so Hand in Hand damit, dass bei uns der Fanclub so ein bisschen abgebröselt ist und auch die Webseite nicht mehr gepflegt wurde. Unser Fanclubleiter hatte irgendwie einen Unfall und konnte gar nix mehr machen und die Frau, die eigentlich unsere Webseite gepflegt hat, hat in der Zwischenzeit einen normalen Job gekriegt und konnte auch nicht mehr so richtig. Da gab es dann schon Anfragen: gibt es euch überhaupt noch und was macht ihr so? Macht ihr eigentlich auch mal was anderes als Urlaub? Und das ist eigentlich nicht fair, weil wir die ganzen vier Jahre unheimlich viel gemacht haben. Wir haben das "Skeletons" - Album gemacht, was vom Arbeitsaufwand genauso umfangreich war, wie ein normales. Ich sag immer, am Ende ist es egal, wann das Album gekommen ist, es ist nur wichtig, wie es geworden ist.

Ist dir denn auch mal passiert, dass neues Material nicht gut angenommen wurde? Macht man sich dann Gedanken oder sagt man, das war halt in dem Moment unsere Schaffensphase, das musste so sein?

Nee, eigentlich haben wir das bei Gamma Ray noch nicht gehabt, da sind alle Alben gut angenommen worden. Es gab einige Alben, die waren auf eine gewisse Weise schwieriger und durchwachsener, z.B. "Sigh no more", weil das auch stilistisch in eine andere Richtung ging und ein bisschen eine Loslösung von Helloween und dem ursprünglichen Stil war. Das war dann ein wenig zweischneidig, aber im Allgemeinen sind wir eigentlich ganz gut gefahren.

Da kann man sich nur drüber freuen.

Es gibt ja immer 1000 Geschmäcker. Der eine findet das Album geiler, der andere das und der nächste ein weiteres, so ist das ja immer.

Wo siehst Du denn die entscheidenden Unterschiede bzw. Veränderungen zum Vorgänger?

Da gibt es schon einige. Das erste ist, das "No world order" eher sehr gradlinig war, sehr straight, 80er-lastig, wohingegen das neue wesentlich verspielter und abwechslungsreicher ist, so von den Songs her. Die Arrangements sind etwas aufwändiger, nicht so gradlinig, ein bisschen verfrickelter, ein bisschen progressiver. Auf eine gewisse Weise ist auch wieder melodischer und trotzdem ein bisschen rauer als "No world order". Es ist liveiger, auf jeden Fall, weil wir auch viele Sachen ohne Click aufgenommen und keine Demos vorproduziert, sondern das Ganze im Übungsraum ausgearbeitet haben. Wir haben trotzdem in der Produktion letztendlich wieder ein bisschen mehr Bombast, sprich: Keyboards, Chöre usw. drin, denke ich mal. Das sind so für mich die Unterschiede.

Ihr habt auf eurer Homepage ein Voting, bei dem man den besten Song eines jeden Albums wählen kann und "Fight" hat dort vom momentan aktuellen Silberling ganz klar die Nase vorn. Sucht man da als Musiker nach Erklärungen, warum ein Stück besonders gut ankommt?

Nein, ich kann es dir ganz einfach sagen, wir wollen das Voting unbedingt ändern, weil es die anderen Songs doch zu sehr diskreditiert. Es gibt nun mal Songs, die haben ein gewisses Hitpotential und werden am meisten angeklickt. Es ist aber nicht fair, wenn man sagt: nur den besten Song wählen, man müsste eigentlich eine Punkteskala von 1 bis 10 haben und jeder muss für jeden Song Punkte vergeben. Auf die jetzige Art und Weise wird es nie so sein, dass Songs irgendwie gleich sind, weißt du, weil man sich entscheiden muss. Aber anders könnten vielleicht zwei oder drei Songs mit acht oder neun Punkten da stehen bzw. zwei mit nur einem Punkt. Das ist einfach eine bessere Art, das zu machen. Es führt so ein bisschen in die Irre. Wir spielen derzeit auch "Strangers in the night" von der „Powerplant“ und haben den gewählt, weil wir was spielen wollten, was wir bisher live noch nicht performt haben. Wir haben ins Voting reingeguckt, bei dem er mit drei oder vier Prozent unter ‚ferner liefen‘ liegt, merken aber anhand der Reaktionen im Publikum und auf der Webseite, dass die Leute sagen: ‚geiler Song, klasse, dass ihr ihn spielt‘. Also das, was auf der Webseite passiert, spiegelt eigentlich nicht das wieder, was die Songs den Leuten bedeuten. Deswegen haben wir auch überlegt, das zu ändern.

Man hört bei dir raus, dass du dich davon auch nicht beeinflussen lässt, sprich du sagst nicht: wir brauchen mehr Songs von der und der Art.

Nee, wir schreiben wirklich aus dem Bach raus, wir haben uns noch nie hingesetzt und gesagt: wir brauchen zwei- oder drei-Minuten-Hits und einen langen oder so. Das ist einfach so, dass jeder schreibt, wie er sich gerade fühlt und was dabei rauskommt, wird dann so auf den Punkt gebracht. Für uns ist das Songschreiben erst einmal purer Egoismus, so sollte es auch sein. Es muss einem selber Spaß machen und gefallen und darf nicht sein, damit man irgendjemanden zufriedenstellt, außer sich selber.

Die Helloween - Diskussion nimmt ja irgendwie kein Ende...

(stöhnt)

... oh, ich kenne schon die Antwort auf meine Frage: Es nervt.

Ja, auf Dauer nervt es schon, weil ey, die Suppe wird heißer gekocht, als sie letztendlich ist. Das Ding ist so in Umlauf geraten, aber mal realistisch: Ich habe kein Problem damit, mich mal wieder mit ihnen auf die Bühne zu stellen und mal wieder altes Keeper - Zeug zu spielen! Eine Reunion, dass man sagt, wir sind jetzt wieder eine Band, ist einfach völliger Humbuck. Wie soll denn das gehen, weißt du?! Es sind einfach völlig verschiedene Leute, die seit Jahren nichts mehr miteinander zu tun haben. Es wäre eine coole Sache, den alten Spirit wieder aufleben zu lassen und so wie Accept z.B. eine Tour zu machen usw., aber ansonsten mache ich meine Sachen gerne mit Gamma Ray. Ein Faktor ist natürlich auch Kiske, der sich mittlerweile fürchterlich schwer tut mit dieser Art von Musik. Der andere Faktor ist der, dass es nun eine Band namens Helloween gibt, die komplett neue Musiker hat und nun versucht, musikalisch an das alte Zeug anzuknüpfen und für die wäre es doch absolut fatal. Überleg mal, wir würden so eine Reunion Geschichte machen und alle würden schreien: ja, das wollen wir sehen und das Neue interessiert uns gar nicht. Das ist doch irgendwie... das kann man doch keinen zumuten.

Aber da ist doch der Punkt, gerade weil an die alte Ära angeknüpft werden soll, schreien die Leute. Also ich z.B. bin mit den beiden Keeper - Scheiben aufgewachsen und sage, es gibt keinen dritten Part, wenn du und Kiske nicht dabei seid.

Jaja, ganz klar. Ich rede einfach nicht von der Scheibe oder so, sondern eigentlich nur von einer Tour. Selbst wenn wir im Original-Lineup wieder wären, Ingo eben ausgenommen, heißt das noch lange nicht, dass wir eben die gleiche Magic wieder haben. Das war eine Chemie und auch unsere Naivität, die dazu beigetragen haben. Wie wir halt so waren als Jungspunde. Ich weiß nicht, ob man das heute einfach so wieder herbeireden oder konstruieren kann, ich denke mal nicht. Deswegen würde ich halt erstmal auf Tour gehen und das alte Zeug live spielen. Da kann ich mir unheimlich gut vorstellen, dass es auch Spaß macht und dass wir auch alle Spaß haben. Wenn man bei sowas feststellt, mensch, irgendwie funkt es ja noch und vielleicht kann man ja mal wieder einen Song zusammen schreiben, dann hätte man eine Basis, das mal weiterzudenken. Aber da gleich so ein Gerüst aufzubauen, halte ich für falsch. Ich denke aber, wir sollten das wirklich machen, bevor wir auf der Bühne albern aussehen. Noch geht es. Aber noch so zehn oder zwanzig Jahre mehr, wäre einfach lächerlich.

Das ganze wäre einfach gar nicht aufgekommen, wenn nicht ein "Keeper, Pt. III" auftauchen würde, dann hätte es weiterhin Gamma Ray und Helloween gegeben und fertig.

Für das 20jährige Jubiläum wäre es eine gute Sache, seit Jahren beknie ich z.B. Sanctuary. Da in den Archiven liegen die Bänder von den drei Shows, die wir damals für die "Keepers - Live" aufgenommen haben, denn letztendlich ein Outcome mit fünf popeligen Songs zu pressen war einfach lächerlich. Wir haben eine komplette Show mit ca. 2 Stunden aufgenommen, mit "Halloween", "Keeper" und was weiß ich nicht allem. Das ist es doch nun wirklich wert, auf Doppel-CD veröffentlicht zu werden. Ich verstehe einfach nicht, warum das keiner tut, denn auch für eine Plattenfirma ist sowas doch eine verdammte Goldgrube.

Viele Leute sagen ja, die neuen Songs auf "Majestic" klingen wie alte Helloween Stücke, aber das lässt sich wohl auch nicht vermeiden.

Nee, denn ich bin ich, nach wie vor. Meinen Spirit habe ich noch.

Euer Song "Revelation" geht über acht Minuten, wie entsteht sowas? Will man immer noch mal einen draufsetzen oder plant man im Vorfeld, dass es diesmal etwas länger sein soll?

Es kann immer so oder so passieren. Ein Song ist das, was er ist und vielleicht hast du ihn schon als großes Werk im Kopf oder du merkst schon zu Beginn, es ist eher ein kurzes Ding. So wie der Song anfängt, wird er sich auch meistens weiterentwickeln. Da gibt es kein Rezept, ich setze mich nicht hin und sage, so, jetzt muss ich hier neun Minuten zusammenklabeustern. Das können vier sein, aber auch neun werden, das weiß ich nicht. Wenn ich das Gefühl habe, für den Fluss des Songs ist es gut, wenn jetzt noch was anderes kommt, ist das so, ich lege das nicht fest. Bei Henjo, der diesen halt verzapft hat, ist das genauso.

Woher nimmst du die Ideen für deine Texte?

Aus'm Kopf! ... Aus'm Bauch! Letztendlich passiert es bei mir mittlerweile so, dass ich wenn ich anfange, so ein paar Schlagwörter im Kopf habe oder ein paar Zeilen, die einfach auf ein Riff drauf müssen, weil sie in meinem Kopf dazugehören. Bei dem Rest läuft es meistens so ab, dass ich mir zu Hause so ein Demo mache, zu dem ich singe, ohne zu wissen, was ich genau singen werde, außer den wenigen Parts eben. Der Rest fließt dann so aus mir raus. 80% davon macht Sinn und 20% ist dann phonetisch ganz gut, aber muss noch sinngemäß in die richtige Richtung gebaut werden. Es ist mir schon passiert, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen will, ich singe da einfach aus dem Bauch raus. "My temple" ist auch so ein Ding, das habe ich eigentlich nur so aus dem Wortlaut heraus rausgeschossen und am Ende habe ich dann geguckt, was meine ich eigentlich damit. Da sind mir schon tolle Erkenntnisse gekommen, was bei mir im Kopf gerade los ist, weil ich singe, ohne darüber nachzudenken und das hinterher analysiere und gucke, was ich meine. Ich sage mir dann so: aha, verstehe... vielleicht sollte ich mal zum Doktor gehen. (lacht)

Gab es auch mal Überlegungen, einen deutschen Text zu schreiben?

Das habe ich früher, also das passiert ab und zu mal. Ich habe z.B. so aus Scheiß im Studio Udo Lindenberg-mäßig (imitiert den vorher genannten Künstler) "Sach'ma bescheid" auf "Send me a sign" zu singen, was wir auch ausgearbeitet haben, das war sehr lustig. Lindenberg war auch so ein Einfluss für mich, Musik zu machen.

Den Track gibt es aber nirgendwo zu kaufen?

Nein, das war nur so intern.

Das heißt, es wird von diesen Späßen oder so nichts geben, was mal für die Fans zugänglich ist?

Ich weiß nicht, da habe ich irgendwie nicht so den Bedarf. Vielleicht mache ich das irgendwann mal, so meine schrägen Ideen auf eine Scheibe zu packen, aber letztendlich habe ich eben nicht den Anspruch, mich nach außen hin so zu präsentieren oder sowas.

Anfangs hast Du ja nicht selber gesungen, sondern Ralf Scheepers diese Position überlassen. Hat es, wie soll man sagen, dir in den Stimmbändern gejuckt, dass du gesagt hast: ich will unbedingt wieder singen?

Ich meine, ich habe ja nie aufgehört zu singen. Ich habe immer auf Demos gesungen oder im Übungsraum, wenn Ralf nicht da war. Als ich bei Helloween ausgestiegen bin, war ich es einfach gewohnt, mit einem Sänger zu arbeiten und es kam mir gar nicht in den Sinn, selber zu singen, was daran lag, dass ich aus den „Walls“ – Zeiten noch wusste, dass es verdammt scheiße und schwer ist, Gitarre zu spielen und dabei zu singen. Deswegen war das klar mit einem Sänger. Nachdem es klar war, dass die Wege sich mit Ralf trennen, habe ich mich dann einfach wieder getraut, mich da hinzustellen und hatte auch Lust dazu. So ist das halt gekommen. Jetzt sitze ich da, mit meiner kaputten Stimme auf Tour … jedes Mal. (lacht) Bei der Stormwarrior – Geschichte ist das wieder was anderes, da macht es mir halt Spaß, mal nur als Sänger auf der Bühne zu stehen, das ist geil.

Wie kam es dazu, dass du so viel mit ihnen machst, siehst du sie als eine Art Nachfolger?

Du, das weiß ich nicht, das war irgendwie… der Anfang des Ganzen war ein gewisser Lars Ramcke, der mich im Headbanger’s Ballroom besoffenerweise zugequatscht hat, ich müsste unbedingt mal sein Demo hören und eine Scheibe mit ihm produzieren. Irgendwann war es dann soweit, ich habe mir das angehört und fand den Spirit der Band geil, dieses raue, nordische. Als die Band dann soweit war, wirklich ein Album einzuspielen, da haben wir uns auch rangetraut und es ist gut gegangen.

Du hast in vielen Interviews gesagt, es kann im Bereich Powermetal nicht mehr viel Neues geben, aber trotzdem sucht ihr euch immer irgendwo eine Nische und habt das gewisse Etwas, kannst Du was über die Zukunft in dem Bereich sagen?

Kann ich wirklich nicht sagen, bei uns ist es wirklich so, dass wir aus dem Überlebensdrang uns selber nicht langweilig werden. Klar wiederholst Du dich stilistisch auf eine Art und Weise, aber hältst dir Anreize offen. Du kannst andere Sachen einfließen lassen, ohne direkt nach Rammstein zu klingen. Man kann sich durchaus von Marilyn Manson oder Rammstein irgendwo irgendwas herausgreifen, was dazu anregt, anders an die Sache heranzugehen. Daraus resultieren dann unsere kleinen Spielchen, dass wir doch immer anders klingen.

Dann hörst du dich demnach viel um in der Musikwelt?

Ja, aber nicht bewusst, um Einflüsse zu kriegen, sondern ich bin schon offen, mir anderes anzuhören. Was geil ist, ist halt geil und das kann man als Fan dann genießen. Das beeinflusst einen dann natürlich auch wieder. Es gibt immer Bands, da klingt ein Song wie der andere, das finde ich total stulle irgendwie. Ich mag Abwechslung. Man muss sich als Künstler auch die Freiheit erlauben, seinen Stimmungen etwas zu folgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass manche Leute immer so drauf sind, dass sie immer das Gleiche machen müssen. Stell Dir mal vor, Du machst Death Metal und bist mal melancholisch, willst eine Ballade schreiben. Da bist Du doch irgendwie in den Arsch gekniffen!? Cool ist es, wenn das dann wirklich jemand aus dem Bereich schafft, es umzusetzen, das ist wiederum geil. Man darf auch nicht so auf die Leute hören, denn derjenige, der sagt: am liebsten mag ich eure Speed-Stücke, hat nach der dritten Scheibe mit Speedstücken die Schnauze voll und sagt, es ist immer das Gleiche.

Eure alten Alben sind ja nun als Digipak Version mit Bonustracks wiederveröffentlich worden. Wie stehst Du dazu, ist man da als Fan nicht mächtig sauer, weil man die Platten ja schon alle besitzt, aber die edlere Version inklusive Bonustracks im Grunde auch haben will?

Wenn es ein Re-Release ist, z.B. unsere alten Videos, die auf DVD wieder rausgekommen sind, finde ich das völlig legitim. Das ist ein neues Format, das ist okay. Alte Alben noch mal aufzulegen, so wie dieses Boxset, finde ich auch okay, insofern die ein gewisses Alter haben. Das ging da auch um eine Nice Price – Schiene, um den Backkatalog noch etwas anzuschieben. Es muss einfach im Rahmen bleiben.

Maiden machen wohl zu jeder Tour in Zukunft eine Live-CD, hat mein Bruder mir berichtet.

Gnadenlos, ne!?

Aber als Fan beißt man sich dann schon in den Hintern wegen der Bonustracks!

Für die Fälle gibt es am Ende vielleicht doch das Internet, da fände ich es auch gerechtfertigt. Ich habe mich aber auch schon ertappt, dass ich eine Priest-CD noch mal gekauft habe, obwohl ich sie schon hatte, aber man könnte sich das ja fast auch ziehen. Da könnte man darüber reden, ob das legitim ist, denn dafür extra 16 bis 18 Euro auszugeben, nur um zwei Songs zu haben, wäre dann schon etwas viel. Aber das muss natürlich jeder selber entscheiden, wie er es handhabt.

Andere Frage: Wie seid ihr eigentlich auf den Bandnamen „Gamma Ray“ gekommen?

Oh… das war damals im Horus Soundstudio in Hannover als wir das ganze noch unter dem Namen ‚Hansen/Scheepers – Projekt‘ zur Bank gebracht hatten. Ich wollte unbedingt einen Bandnamen haben, weil ich diese Personifizierung und Soloprojekte nicht mag. Deshalb musste ein Bandname her. Wir haben hin und her überlegt, über Tod und Teufel und es war nichts Vernünftiges dabei. Wir sind dann losgezogen in eine Hannoveraner Disse und da lief dieser alte Song von Birth Control „Gamma Ray“. Das klang irgendwie cool, so dass wir nachgeguckt haben, was es heißt: Gamma Strahlen, sprich radioaktive Strahlen mit der höchsten Intensität, huhu, ja, das passt und somit haben wir das Ding gekauft.

Was erwartest du von heute Abend?

Ne gute Show. (lacht) Wilde Leute. (lacht) Ich erwarte eigentlich meistens gar nichts vorher. Ich erwarte es eher immer schlecht, so: bah, ist ja sowieso wieder schlecht, dann kann man nur positiv überrascht werden.

Bist du denn vor jeder Show nervös, oder nur in Hamburg?

Naja, kurz vor der Show habe ich schon immer so meinen Schub, aber das ist immer verschieden. Je nach Tagesform und –laune. Auch wenn man da mal so sitzt, keinen Bock hat und eigentlich schlafen will, steht man auf der Bühne und plötzlich macht es „Peng“ und man ist voll da. Die Leute stehen ja auch da und haben bezahlt, da will man nicht als Arschloch dastehen, sondern auch eine gute Show haben. Da gibt es keine Schwachheiten, das toleriere ich nicht von mir, wenn dann immer so viel, wie geht.

Wie sehen die weiteren Pläne aus, habt ihr über das Wacken im nächsten Jahr nachgedacht?

Ähm… ist im Gespräch. Mal gucken, was passiert.

Dann hast Du das letzte Wort:

Heavy Metal, Glück und Geld! (lacht)

Alles klar, vielen Dank.



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